Elektrorollstuhl auf Rezept: Voraussetzungen, Prüfung und Kosten
Einen Elektrorollstuhl zahlt die Krankenkasse, wenn ein Arzt ihn verordnet, die Kraft für einen Rollstuhl mit Greifreifen nicht reicht und die Person ihn sicher steuern kann. Du zahlst höchstens zehn Euro dazu, der Stuhl kommt leihweise. Selbst gekauft kostet ein Modell für drinnen und draußen 1.500 bis 10.000 €.

| Posten | Preis |
|---|---|
| Elektrorollstuhl, Kauf ohne Kasse | 1.500 bis 10.000 € |
Was die Kasse prüft
Die Kasse schaut auf drei Fragen:
- Reicht ein Rollstuhl ohne Motor nicht aus, weil Kraft oder Beweglichkeit in Armen und Händen fehlen?
- Kann die Person den Elektrorollstuhl sicher steuern, also sehen, reagieren und die Umgebung einschätzen?
- Gibt es einen Platz zum Abstellen und Laden, und kommt der Stuhl aus der Wohnung heraus?
Oft kommt ein Mitarbeiter des Sanitätshauses zu einer Probefahrt, manchmal auch der Medizinische Dienst. Bei Demenz oder starker Sehschwäche wird die zweite Frage schwierig. Dann kann ein Antrieb helfen, den eine Begleitperson von hinten steuert.
Bauarten
- Innenraummodelle: klein und wendig, für die Wohnung
- Außen- und Kombimodelle: größere Räder, stärkere Akkus, für Gehweg und Wege im Ort
- Faltbare Leichtmodelle: für Reisen und das Auto, mit geringerer Reichweite
- Modelle mit Sonderfunktionen: Sitzlift, Stehfunktion oder Steuerung mit Kinn oder Kopf
Dazu gibt es Zusatzantriebe für normale Rollstühle, etwa eine Schiebehilfe für die Begleitperson. Sie können die passendere Lösung sein, wenn jemand meistens geschoben wird und die schiebende Person selbst nicht mehr viel Kraft hat.
Leihe, Akku, Reparatur
Wie andere Hilfsmittel bekommst du den Elektrorollstuhl meist leihweise. Das Sanitätshaus kümmert sich um Wartung, Reparatur und neue Akkus. Geladen wird an der normalen Steckdose, am besten jede Nacht, damit die Reichweite am nächsten Tag reicht.
Für ein Wunschmodell mit mehr Komfort zahlst du den Aufpreis gegenüber dem Kassenmodell selbst. Frag vorher schriftlich, wer später Reparaturen an den Teilen zahlt, die du extra bezahlt hast.
Unterwegs: Gehweg und Versicherung
Mit einem Elektrorollstuhl darf überall gefahren werden, wo Fußgänger gehen dürfen, also auch auf dem Gehweg, dort aber nur im Schritttempo. Bordsteine schafft ein Außenmodell meist nur bis zu einer bestimmten Höhe, die im Datenblatt steht.
Modelle, die schneller als 6 Kilometer pro Stunde fahren, brauchen ein Versicherungskennzeichen. Frag beim Kassenmodell, wie die Versicherung geregelt ist. Wer den Stuhl ins Auto laden will, braucht eine Rampe oder einen Lift am Fahrzeug, denn die Geräte sind schwer.
Antrag Schritt für Schritt
- Rezept vom Hausarzt oder Facharzt mit Diagnose und Begründung
- Sanitätshaus mit Vertrag bei eurer Kasse aussuchen
- Beratung, Probefahrt und Kostenvoranschlag durch das Sanitätshaus
- Entscheidung der Kasse, in der Regel in drei Wochen, mit Gutachten in fünf
- Lieferung, Einweisung und Anpassung
Lehnt die Kasse ab, kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Ein ausführliches Attest und ein Bericht über die Probefahrt helfen. Wie ein Widerspruch aufgebaut ist, zeigt die Seite zum Widerspruch, die Regeln sind ähnlich. Muss der Stuhl auch eine Treppe überwinden, hilft ein Plattformlift.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse einen Elektrorollstuhl?
Ja, wenn ein Arzt ihn verordnet, ein Rollstuhl ohne Motor nicht ausreicht und die Person ihn sicher steuern kann. Du zahlst höchstens zehn Euro dazu, der Stuhl kommt leihweise.
Bekomme ich bei Pflegegrad 3 einen Elektrorollstuhl?
Der Pflegegrad entscheidet darüber nicht. Die Krankenkasse prüft, ob ein Elektrorollstuhl medizinisch nötig ist und sicher genutzt werden kann. Ein Pflegegrad 3 kann auf solche Einschränkungen hindeuten, ist aber kein Anspruch für sich.
Was kostet ein Elektrorollstuhl ohne Kasse?
Ein Modell für drinnen und draußen kostet 1.500 bis 10.000 €. Modelle mit Sitzlift, Stehfunktion oder Sondersteuerung kosten deutlich mehr.
Kann eine Begleitperson den Elektrorollstuhl steuern?
Ja, es gibt Steuerungen für die Begleitperson am Rücken des Stuhls und Schiebehilfen für normale Rollstühle. Das kommt in Frage, wenn die Person selbst nicht sicher steuern kann.
Darf man mit dem Elektrorollstuhl auf dem Gehweg fahren?
Ja, überall dort, wo Fußgänger gehen dürfen, aber nur im Schritttempo.
Kann ich einen Elektrorollstuhl ausleihen?
Über die Kasse kommt er ohnehin leihweise. Für kurze Zeit ohne Rezept vermieten manche Sanitätshäuser Elektrorollstühle gegen eine Gebühr.