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PflegeanteilZuschuss-Check

Pflegegrad: Was er bedeutet, wie er entsteht und was er bringt

Der Pflegegrad sagt, wie viel Hilfe ein Mensch im Alltag braucht, und entscheidet, was die Pflegekasse zahlt. Es gibt fünf Grade, vergeben nach Punkten zwischen 0 und 100. Ab Pflegegrad 2 gibt es Geld: 347 € Pflegegeld im Monat, bei Pflegegrad 5 sind es 990 €.

Tochter im Gespräch mit ihrer Mutter
Pflegegeld im Monat347 bis 990 €ab Pflegegrad 2
112,52347 €273599 €47,54800 €705990 €90100Pflegegrad 1 bis 5 nach Punkten, darunter das Pflegegeld im Monat
Pflegegeld im Monat
  • Pflegegrad 2347 €
  • Pflegegrad 3599 €
  • Pflegegrad 4800 €
  • Pflegegrad 5990 €

Tabelle der Pflegegrade

Pflegegeld und Pflegedienst im Monat. Punkte aus der Begutachtung, 0 bis 100.
PunktePflegegeldPflegedienst
Pflegegrad 112,5 bis unter 27keinskeine
Pflegegrad 227 bis unter 47,5347 €796 €
Pflegegrad 347,5 bis unter 70599 €1.497 €
Pflegegrad 470 bis unter 90800 €1.859 €
Pflegegrad 590 bis unter 100990 €2.299 €

Fünf Grade, gemessen an der Selbständigkeit

Für den Pflegegrad zählt nicht die Diagnose, sondern wie selbständig jemand seinen Alltag noch bewältigt. Zwei Menschen mit derselben Krankheit können deshalb ganz verschiedene Pflegegrade haben. Gemessen wird in sechs Bereichen, von der Beweglichkeit über das Gedächtnis bis zur Körperpflege. Daraus entstehen Punkte zwischen 0 und 100.

  • Pflegegrad 1 ab 12,5 Punkten: geringe Beeinträchtigung, etwa Unsicherheit beim Duschen oder auf der Treppe.
  • Pflegegrad 2 ab 27 Punkten: erhebliche Beeinträchtigung, Hilfe bei Körperpflege, Medikamenten oder Orientierung.
  • Pflegegrad 3 ab 47,5 Punkten: schwere Beeinträchtigung, tägliche Hilfe, oft auch nachts.
  • Pflegegrad 4 ab 70 Punkten: schwerste Beeinträchtigung, Hilfe bei fast allem.
  • Pflegegrad 5 ab 90 Punkten: schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die Pflege.

Eine Ausnahme gibt es: Wer beide Arme und beide Beine nicht mehr gebrauchen kann, bekommt Pflegegrad 5, auch wenn die Punkte darunter liegen. Wie die Punkte im Einzelnen entstehen, rechnet der Pflegegrad-Rechner Frage für Frage durch.

Der Weg zum Pflegegrad in vier Schritten

Zuerst kommt der Antrag bei der Pflegekasse. Ein Anruf genügt, das Formular schickt die Kasse danach. Dann meldet sich der Medizinische Dienst, bei privat Versicherten Medicproof, und vereinbart einen Termin für die Begutachtung. Beim ersten Antrag kommt die Gutachterin in der Regel nach Hause.

Nach der Begutachtung schickt die Kasse den Bescheid, meist spätestens 25 Arbeitstage nach dem Antrag. Die Leistungen gelten ab dem Monat, in dem der Antrag eingegangen ist. Deshalb lohnt es sich, sofort anzurufen, auch wenn noch nicht alle Unterlagen beisammen sind. Was in den Antrag gehört und welche Fristen die Kasse einhalten muss, steht bei Pflegegrad beantragen.

Was ein Pflegegrad möglich macht

Schon Pflegegrad 1 bringt Leistungen, auch wenn es dort noch kein Pflegegeld gibt: 131 € im Monat für Hilfe im Alltag, 42 € für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, den Hausnotruf und bis zu 4.180 € für einen Umbau der Wohnung.

Ab Pflegegrad 2 kommen die großen Posten dazu:

  • Pflegegeld von 347 € bis 990 € im Monat, wenn Angehörige pflegen
  • Geld für einen Pflegedienst, von 796 € bis 2.299 € im Monat
  • Ein eigenes Budget für die Tagespflege
  • Bis zu 3.539 € im Jahr für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege
  • Rentenbeiträge für Angehörige, die mindestens 10 Stunden in der Woche an 2 Tagen pflegen
  • Der Pflege-Pauschbetrag in der Steuererklärung der Pflegenden

Je höher der Grad, desto höher die Beträge. Gleich bleiben nur Entlastungsbetrag, Pflegehilfsmittel und der Zuschuss für den Umbau.

Abgelehnt oder zu niedrig eingestuft

Passt der Bescheid nicht zum Alltag, hast du einen Monat Zeit für einen Widerspruch. Er kostet nichts, und wenn er Erfolg hat, zahlt die Kasse ab dem ursprünglichen Antrag nach. Ein neuer Antrag ist der bessere Weg, wenn sich der Zustand seit der Begutachtung verschlechtert hat, etwa nach einem Sturz oder einem Krankenhausaufenthalt. Mehr Geld gibt es dann allerdings erst ab dem neuen Antragsmonat. Wie du den Widerspruch aufbaust und begründest, steht beim Widerspruch gegen den Pflegegrad.

Pflegegrad für Kinder, auch bei ADHS oder Autismus

Auch Kinder können einen Pflegegrad bekommen. Verglichen wird dann mit gesunden Kindern im selben Alter: Es zählt, was ein Kind mehr an Hilfe, Anleitung und Aufsicht braucht als Gleichaltrige. Kinder bis 18 Monate werden in der Regel einen Grad höher eingestuft, weil in diesem Alter ohnehin fast alles Hilfe braucht.

Bei ADHS oder Autismus reicht die Diagnose allein nicht. Punkte bringen vor allem der Bereich Verhalten, etwa Unruhe, Wutausbrüche oder Weglaufen, und die Gestaltung des Tages. Ein Tagebuch über einige Wochen, in dem steht, wie oft die Eltern eingreifen, beruhigen oder anleiten müssen, hilft bei der Begutachtung mehr als ein Stapel Befunde.

Gesetzlich, privat oder mit Beihilfe versichert

Die Pflegekasse gehört immer zur Krankenkasse. Wer bei der AOK, der Barmer, der TK, der DAK, einer IKK oder einer BKK versichert ist, stellt den Antrag dort. Regeln und Beträge sind bei allen gesetzlichen Kassen gleich, nur Formulare und Online-Wege unterscheiden sich.

Privat Versicherte stellen den Antrag bei ihrer privaten Pflegeversicherung, begutachtet wird dann von Medicproof. Die Beträge sind genauso hoch wie bei der gesetzlichen Kasse. Beamte bekommen einen Teil von der Beihilfe und den Rest von der privaten Pflegeversicherung, deshalb sollten beide vom Antrag wissen.

Alles zu Pflegegrad

Häufige Fragen

Was ändert sich beim Pflegegrad ab 2027?

Stand heute gelten die fünf Pflegegrade und ihre Punkte weiter. Ein Gesetzentwurf will ab 2027 mehrere Leistungen zu Budgets zusammenfassen, beschlossen ist er nicht; Einzelheiten stehen bei der Pflegereform 2027.

Pflegegrad abgelehnt: Was kann ich tun?

Du kannst innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids Widerspruch einlegen. Fordere dazu das Gutachten an und prüfe, wo der Alltag falsch beschrieben ist. Hat sich der Zustand seitdem verschlechtert, ist ein neuer Antrag oft der schnellere Weg.

Wo stelle ich den Antrag, zum Beispiel bei der AOK?

Bei der Pflegekasse der Krankenkasse, bei der der Pflegebedürftige versichert ist, also etwa bei der AOK seines Landes. Ein Anruf, ein Brief oder der Online-Zugang der Kasse reichen. Das Antragsformular kommt danach per Post oder steht im Kundenportal.

Wie lange dauert es bis zum Bescheid?

Die Kasse muss in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden. Liegt der Pflegebedürftige im Krankenhaus oder in der Reha und muss die Versorgung danach geklärt werden, gelten kürzere Fristen. Hält die Kasse die Frist ohne triftigen Grund nicht ein, muss sie für jede angefangene Woche Verspätung einen Ausgleich zahlen.

Gibt es ab einem bestimmten Alter automatisch einen Pflegegrad?

Nein. Auch mit 80 oder 90 Jahren gibt es einen Pflegegrad nur nach Antrag und Begutachtung. Das Alter selbst zählt nicht, nur wie viel Hilfe im Alltag nötig ist.

Bekommt ein Kind mit ADHS einen Pflegegrad?

Das ist möglich, wenn das Kind deutlich mehr Hilfe und Aufsicht braucht als Gleichaltrige. Die Diagnose allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie oft Eltern im Alltag eingreifen, beruhigen oder anleiten müssen.

Was ist der Unterschied zwischen Pflegestufe und Pflegegrad?

Die fünf Pflegegrade haben die früheren drei Pflegestufen abgelöst. Wer damals eine Pflegestufe hatte, wurde ohne neuen Antrag übergeleitet: meist eine Stufe höher, mit eingeschränkter Alltagskompetenz, etwa bei Demenz, zwei Stufen höher. Aus Pflegestufe 1 wurde so Pflegegrad 2 oder 3. Neu eingestuft wird heute nur noch nach den Punkten der sechs Module.

Gibt es eine Tabelle mit allen Pflegegraden?

Ja, oben auf dieser Seite: Punkte, Pflegegeld und Geld für den Pflegedienst für jeden Pflegegrad. Alle übrigen Leistungen je Grad stehen in der Tabelle unter Leistungen.