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PflegeanteilZuschuss-Check

Pflegegrad bei Depression: Wenn der Antrieb für den Alltag fehlt

Auch bei einer Depression ist ein Pflegegrad möglich, wenn die Krankheit den Alltag über Monate so einschränkt, dass jemand regelmäßig aufgefordert, angeleitet oder begleitet werden muss. Ob die Depression leicht, mittelgradig oder schwer genannt wird, entscheidet nicht. Gezählt wird, wie oft andere eingreifen müssen, damit gegessen, gewaschen und der Tag bewältigt wird.

Tochter im Gespräch mit ihrer Mutter

Antriebslosigkeit ist ein eigenes Kriterium

Im Modul Verhalten und Psyche gibt es zwei Punkte, die bei Depression besonders wichtig sind: Antriebslosigkeit bei gedrückter Stimmung und Ängste. Bewertet wird, wie oft sie so stark sind, dass jemand anderes eingreifen muss: nie oder sehr selten, selten, also ein- bis dreimal in zwei Wochen, häufig, also mehrmals in der Woche, oder täglich.

Eingreifen heißt nicht nur anfassen. Dazu gehört, jemanden morgens zum Aufstehen zu bewegen, ans Essen zu erinnern, zum Duschen zu motivieren oder bei Angst zu beruhigen. Wer das jeden Tag tut, sollte es der Gutachterin genau so sagen.

Wo eine Depression noch Punkte bringt

  • Selbstversorgung: wenn Waschen, Anziehen, Essen und Trinken nur klappen, weil jemand auffordert oder daneben sitzt. Anleitung zählt hier wie Hilfe mit den Händen, und das Modul zählt mit 40 Prozent am meisten.
  • Alltag und Kontakte: den Tag einteilen, einen Rhythmus von Tag und Nacht halten, sich beschäftigen, Kontakt zu anderen halten. Wer ohne Anstoß im Bett bleibt und niemanden sieht, braucht hier Hilfe.
  • Krankheit und Therapie: Medikamente, wenn jemand sie stellen und die Einnahme kontrollieren muss. Termine in Psychiatrie oder Psychotherapie, wenn jemand begleiten muss.

Die Mobilität ist bei Depression meist nicht eingeschränkt. Haushalt, Einkaufen und Behördenpost werden besprochen, bringen aber keine Punkte, auch wenn sie liegen bleiben.

Depression zusammen mit anderen Krankheiten

Nicht selten kommt eine Depression zusammen mit einer Angststörung, chronischen Schmerzen, Fibromyalgie, einer posttraumatischen Belastungsstörung, Borderline oder ADHS. Für den Pflegegrad werden die Diagnosen nicht einzeln bewertet. Die Gutachterin schaut, was sie zusammen im Alltag bewirken. Schmerzen und Antriebslosigkeit zusammen können zum Beispiel dazu führen, dass jemand ohne Hilfe weder duscht noch isst.

Nenn alle Diagnosen und beschreib die Wechselwirkung an konkreten Tagen. Bei ADHS im Erwachsenenalter hilft ein Blick auf den Pflegegrad bei ADHS.

Die Begutachtung: bitte nicht zusammenreißen

Viele Menschen mit Depression wollen im Gespräch nicht schwach wirken. Sie ziehen sich für den Termin ordentlich an, räumen auf und sagen auf jede Frage, es gehe schon. Die Gutachterin kann nur bewerten, was sie hört und sieht.

  • Führe zwei Wochen lang ein Tagebuch, gern mit Hilfe einer Angehörigen: Tage im Bett, ausgelassene Mahlzeiten, wie oft jemand zum Waschen oder Essen auffordern musste, wie die Nächte waren.
  • Leg Berichte aus Psychiatrie und Psychotherapie, Entlassbriefe aus der Klinik und den Medikamentenplan bereit.
  • Bitte eine Vertrauensperson dazu, die den Alltag kennt und ergänzen darf.

Wie der Termin abläuft, steht bei der Begutachtung.

Hilfen nach dem Bescheid

  • Der Entlastungsbetrag von 131 € im Monat, ab Pflegegrad 1, zum Beispiel für eine Alltagsbegleitung oder Hilfe im Haushalt über einen anerkannten Dienst. Wie die Abrechnung geht, steht beim Entlastungsbetrag.
  • Ab Pflegegrad 2 Pflegegeld, das an die unterstützenden Angehörigen weitergegeben werden darf: 347 € im Monat, bei Pflegegrad 3 599 €.
  • Eine kostenlose Pflegeberatung, die hilft, die Hilfen zu ordnen.

Daneben gibt es Leistungen der Krankenkasse, die Ärztinnen und Ärzte verordnen, etwa psychiatrische häusliche Krankenpflege. Sie hängen nicht am Pflegegrad und kommen zusätzlich.

Häufige Fragen

Welchen Pflegegrad bekommt man bei schwerer Depression?

Einen festen gibt es nicht. Eine schwere Depression kann zu Pflegegrad 1, 2 oder höher führen, wenn im Alltag regelmäßig Anleitung und Begleitung nötig sind. Ohne solche Hilfe gibt es trotz der Diagnose keinen Pflegegrad.

Bekommt man bei Depression Pflegegeld?

Ab Pflegegrad 2, dann sind es 347 € im Monat. Bei Pflegegrad 1 gibt es kein Pflegegeld, aber den Entlastungsbetrag von 131 €.

Zählt eine Depression bei Kindern und Jugendlichen?

Ja, nach denselben Modulen. Verglichen wird mit gesunden Kindern gleichen Alters. Rückzug, Ängste oder Antriebslosigkeit zählen, wenn Eltern deshalb deutlich mehr anleiten und begleiten müssen als üblich.

Was tun, wenn der Pflegegrad bei Depression abgelehnt wird?

Innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen und das Gutachten anfordern. Prüf, ob Antriebslosigkeit, Ängste und die nötige Anleitung beim Waschen und Essen erfasst sind. Wie das geht, steht beim Widerspruch.

Braucht man eine bestimmte Diagnose wie rezidivierende oder mittelgradige Depression?

Nein. Die Bezeichnung der Diagnose spielt für die Punkte keine Rolle. Wichtig ist, dass die Einschränkungen voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen. Bei wiederkehrenden Phasen zählt der Alltag über diese Zeit.

Wer darf bei der Begutachtung dabei sein?

Jede Person, die du dabeihaben möchtest, etwa ein Angehöriger, eine Freundin oder die rechtliche Betreuerin. Das hilft gerade bei Depression, weil Betroffene ihre Lage oft kleiner darstellen, als sie ist.