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PflegeanteilZuschuss-Check

Pflegegrad bei ADHS: Wann Aufsicht und Anleitung für Punkte reichen

ADHS allein führt nicht zu einem Pflegegrad. Einen bekommt ein Kind oder ein Erwachsener, wenn der Alltag deutlich mehr Anleitung, Aufsicht und Eingreifen braucht als bei anderen im selben Alter. Ab Pflegegrad 2 zahlt die Kasse 347 € im Monat, bei Pflegegrad 1 gibt es 131 € für Entlastung.

Tochter im Gespräch mit ihrer Mutter

Worauf die Gutachterin bei ADHS schaut

Für ADHS gibt es kein eigenes Kriterium. Die Gutachterin sucht die Folgen im Alltag, verteilt auf mehrere Module:

  • Verhalten: ständiges Herumlaufen und Klettern, Weglaufen, Dinge kaputt machen, Schlagen, Beschimpfen, sich gegen Zähneputzen oder Haarewaschen wehren. Hier zählt, wie oft das vorkommt, selten, mehrmals in der Woche oder täglich, und ob ein Erwachsener eingreifen muss.
  • Geistige Fähigkeiten: Gefahren im Straßenverkehr erkennen, Handlungen mit mehreren Schritten durchziehen, Aufforderungen verstehen. Von diesem Modul und dem Verhalten zählt nur das höhere.
  • Selbstversorgung: wenn Waschen, Anziehen oder Essen nur klappen, weil jemand danebensteht und jeden Schritt ansagt.
  • Krankheit und Therapie: Medikamente geben und überwachen, Termine bei Ergotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie oder im Sozialpädiatrischen Zentrum mit Begleitung.
  • Alltag und Kontakte: den Tag einteilen, sich allein beschäftigen, mit anderen Kindern oder Erwachsenen umgehen.

Anleitung und Aufsicht zählen dabei genauso wie Hilfe mit den Händen.

Kinder mit ADHS: der Vergleich mit Gleichaltrigen

Jedes Kind braucht Hilfe, die Frage ist, wie viel mehr. Ein paar Beispiele, wie die Gutachterin denkt:

  • Ein Vierjähriges muss an der Straße an die Hand, das ist normal. Ein Neunjähriges, das ohne Vorwarnung auf die Straße rennt und deshalb nie allein unterwegs sein kann, braucht mehr Aufsicht als Gleichaltrige.
  • Ein Siebenjähriges zieht sich morgens mit einer Erinnerung allein an. Muss jemand jeden Morgen danebenstehen, jedes Kleidungsstück reichen und das Kind immer wieder zurückholen, zählt das.
  • Ein Zehnjähriges beschäftigt sich eine Stunde allein. Hält euer Kind keine zehn Minuten durch, ohne dass etwas passiert, zählt das beim Alltag.

Ab etwa 11 Jahren wird im Wesentlichen wie bei Erwachsenen bewertet. Was bei Kindern allgemein gilt, auch die Regeln für Pflegegeld und Steuer, steht beim Pflegegrad beim Kind.

Erwachsene mit ADHS

Bei Erwachsenen ist die Hürde höher. Die Gutachterin prüft, ob jemand die Dinge des Alltags grundsätzlich selbst erledigen kann, auch wenn es chaotisch zugeht. Ein unaufgeräumter Haushalt, vergessene Rechnungen oder Ärger mit Behörden werden zwar besprochen, bringen aber keine Punkte.

Punkte entstehen, wenn ohne Anleitung die Grundversorgung leidet: wenn jemand ohne Erinnerung nicht isst, sich nicht wäscht, Medikamente nicht nimmt oder den Tag ohne feste Hilfe nicht bewältigt. Kommt eine zweite Erkrankung dazu, zählt das Zusammenspiel beider. Was bei einer Depression besonders zählt, steht beim Pflegegrad bei Depression.

Die Begutachtung gut vorbereiten

Kinder mit ADHS sind bei einer fremden Person oft ruhiger als sonst. Die Gutachterin sieht dann ein freundliches Kind, das still am Tisch sitzt. Damit das Bild stimmt:

  • Führt zwei Wochen lang ein Tagebuch: jeder Ausbruch, jedes Weglaufen, jede Nacht mit Unruhe, wie oft ihr beim Anziehen, Essen oder Zähneputzen eingreifen musstet. Beim Verhalten ist die Häufigkeit entscheidend.
  • Sammelt Berichte: Diagnose und Verlauf aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder dem Sozialpädiatrischen Zentrum, Berichte von Kita oder Schule, Therapieberichte, den Medikamentenplan und einen Bescheid über Schulbegleitung, falls es ihn gibt.
  • Sprecht über schwierige Dinge nicht vor dem Kind. Ein Zettel für die Gutachterin oder ein kurzes Gespräch im Flur ist oft besser.

Bei Kindern unter 14 Jahren findet die Begutachtung nicht am Telefon statt, die Gutachterin kommt zu euch.

Welche Leistungen danach helfen

Mit Pflegegrad 1 gibt es noch kein Pflegegeld, aber 131 € Entlastungsbetrag im Monat für anerkannte Angebote, etwa einen familienentlastenden Dienst. Ab Pflegegrad 2 kommt Pflegegeld dazu: 347 € bei Pflegegrad 2, 599 € bei Pflegegrad 3.

  • Die Verhinderungspflege ab Pflegegrad 2 bezahlt stundenweise Betreuung, wenn ihr einen Abend oder ein Wochenende Pause braucht.
  • Der Elternteil, der pflegt, bekommt ab Pflegegrad 2 Rentenbeiträge, wenn die Pflege mindestens 10 Stunden an 2 Tagen in der Woche umfasst.
  • In der Steuererklärung gibt es den Pflege-Pauschbetrag, ab Pflegegrad 2 600 € im Jahr. Eltern dürfen ihn trotz Pflegegeld nutzen.

Schulbegleitung, Therapien und Förderung laufen über andere Stellen, etwa Krankenkasse, Jugendamt oder Eingliederungshilfe, und hängen nicht am Pflegegrad.

Häufige Fragen

Welchen Pflegegrad bekommt ein Kind mit ADHS?

Das hängt allein vom Alltag ab. Manche Kinder mit ADHS bekommen keinen Pflegegrad, manche Pflegegrad 1, manche einen höheren, besonders wenn weitere Probleme dazukommen. Die Diagnose allein ergibt keinen bestimmten Grad.

Wie viel Geld gibt es bei Pflegegrad 1 für ein Kind mit ADHS?

Pflegegeld gibt es bei Pflegegrad 1 nicht. Ihr bekommt aber 131 € Entlastungsbetrag im Monat, den ihr mit Belegen über anerkannte Angebote abrechnet, und eine kostenlose Pflegeberatung.

Bringt ADS ohne Hyperaktivität einen Pflegegrad?

Es gelten dieselben Regeln. Ohne Unruhe und Ausbrüche fallen beim Verhalten weniger Punkte an. Wer aber ständig Anleitung beim Anziehen, Essen oder im Tagesablauf braucht, sammelt Punkte bei Selbstversorgung und Alltag.

Hat ein Pflegegrad für ein Kind mit ADHS Nachteile?

Kaum. Bei reinem Pflegegeld ist alle sechs Monate ein Beratungsbesuch zu Hause Pflicht. Schule und Kita erfahren vom Pflegegrad nur, wenn ihr es ihnen sagt.

Gibt es einen Rechner für den Pflegegrad bei ADHS?

Einen eigenen für ADHS nicht, weil die Diagnose keine Rolle spielt. Mit dem Pflegegrad-Rechner gehst du dieselben Fragen durch wie die Gutachterin. Bei Kindern beantwortest du sie im Vergleich mit einem gesunden Kind gleichen Alters.

Gilt das auch in Österreich?

Nein. In Österreich gibt es ein eigenes Pflegegeld mit Stunden und Stufen und für Kinder eigene Regeln. Diese Seite beschreibt die Pflegeversicherung in Deutschland.