Pflegegrad bei Herzinsuffizienz: Wenn das Herz den Alltag begrenzt
Eine Herzschwäche bringt nicht automatisch einen Pflegegrad, auch nicht NYHA-Klasse III oder IV. Entscheidend ist, ob jemand wegen Luftnot und Erschöpfung beim Waschen, Anziehen, Gehen oder bei der Therapie regelmäßig Hilfe braucht. Nach einem Herzinfarkt oder einer Operation zählt, was nach der Erholung dauerhaft bleibt.

NYHA-Klasse und Pflegegrad
Die NYHA-Klasse beschreibt, ab welcher Belastung Luftnot auftritt: bei starker Anstrengung, bei leichter oder schon in Ruhe. Das ist ein guter Hinweis darauf, wie schwer der Alltag fällt, aber keine Einstufung. Die Gutachterin fragt nicht nach der Klasse, sondern danach, welche Tätigkeiten ohne Hilfe nicht mehr gehen.
Zwei Menschen mit NYHA III können deshalb ganz unterschiedlich eingestuft werden, je nachdem, ob sie sich mit Pausen selbst versorgen oder ob jemand beim Duschen, Anziehen und auf der Treppe helfen muss.
Wo eine Herzschwäche Punkte bringt
- Mobilität: Treppen, längere Wege in der Wohnung, Aufstehen, wenn dabei Luftnot und Schwindel kommen.
- Selbstversorgung: Duschen, Haare waschen, Hose, Strümpfe und Schuhe anziehen, besonders mit geschwollenen Beinen.
- Krankheit und Therapie: täglich wiegen, Blutdruck messen und die Werte deuten, Medikamente richten und geben, Kompressionsstrümpfe anziehen, eine begrenzte Trinkmenge einhalten, Arzttermine mit Begleitung.
- Verhalten und Psyche: Ängste bei Luftnot, Unruhe in der Nacht.
- Alltag: gestörter Schlaf, wenn Luftnot im Liegen oder häufiger Harndrang in der Nacht Hilfe nötig macht.
Wie immer zählt nur, wobei ein anderer Mensch helfen, erinnern oder aufpassen muss. Kommen COPD und Herzschwäche zusammen, verstärken sie sich. Mehr dazu beim Pflegegrad bei COPD.
Nach Herzinfarkt, Herzklappen-OP oder Schrittmacher
Nach einem Herzinfarkt, einer Bypass- oder Herzklappenoperation braucht man oft einige Wochen viel Hilfe. Ein Pflegegrad setzt aber voraus, dass die Einschränkungen voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen. Für die Zeit nach dem Krankenhaus gibt es deshalb meist zuerst die Reha und Hilfe der Krankenkasse, etwa häusliche Krankenpflege oder eine Haushaltshilfe.
Bleibt danach eine Herzschwäche mit dauerhaften Einschränkungen, ist der Antrag sinnvoll. Ein Herzschrittmacher oder ein Defibrillator bringt für sich keine Punkte. Es zählt nur, wie die Herzkrankheit dahinter den Alltag einschränkt. Auch Herzrhythmusstörungen zählen über ihre Folgen, etwa Schwindel und Stürze.
Kinder mit Herzfehler
Auch Kinder mit einem angeborenen Herzfehler können einen Pflegegrad bekommen. Verglichen wird mit gesunden Kindern gleichen Alters. Bei Babys zählt zum Beispiel, wenn das Trinken wegen Erschöpfung sehr lange dauert oder über eine Sonde laufen muss, dazu Medikamente, Sauerstoff und viele Termine in der Klinik. Kinder bis 18 Monate werden einen Grad höher eingestuft, als ihre Punkte ergeben. Mehr steht beim Pflegegrad beim Kind.
Vorbereitung und Widerspruch
Für die Begutachtung helfen ein Tagebuch über zwei Wochen, das Gewichtsprotokoll, Arztbriefe aus Kardiologie und Klinik und der Medikamentenplan. Beschreib auch die Tage, an denen das Wasser in den Beinen steigt oder die Luft nachts knapp wird.
Passt der Bescheid nicht zum Alltag, kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Einen Musterbrief brauchst du dafür nicht. Es reichen ein paar Sätze, dass du widersprichst, und eine Begründung, was im Gutachten fehlt. Fordere das Gutachten an, falls es nicht beilag. Mehr steht beim Widerspruch.
Häufige Fragen
Welchen Pflegegrad bekommt man bei Herzinsuffizienz?
Einen festen gibt es nicht. Wer mit Pausen allein zurechtkommt, bekommt meist keinen. Wer beim Waschen, Anziehen und Gehen regelmäßig Hilfe braucht, kann Pflegegrad 2, 3 oder höher bekommen.
Bekommt man nach einem Herzinfarkt einen Pflegegrad?
Nur, wenn nach der Erholung Einschränkungen bleiben, die voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen. Direkt nach dem Infarkt helfen eher Reha und Leistungen der Krankenkasse.
Zählt ein Herzschrittmacher für den Pflegegrad?
Nein, das Gerät selbst nicht. Es zählt nur, was die Herzkrankheit im Alltag einschränkt.
Welche Leistungen helfen bei Herzschwäche?
Pflegegeld ab Pflegegrad 2, von 347 € bis 990 € im Monat, ein Hausnotruf mit 27 € Zuschuss, bis zu 4.180 € für einen Treppenlift oder eine Dusche und der Entlastungsbetrag von 131 € für Hilfe im Haushalt.
Brauche ich für den Widerspruch einen Musterbrief?
Nein. Ein kurzes Schreiben mit Name, Versichertennummer, dem Satz, dass du widersprichst, und deiner Begründung reicht. Die Begründung darfst du auch nachreichen, die Frist von einem Monat gilt für den Widerspruch selbst.
Bekommt ein Kind mit Herzfehler Pflegegeld?
Ab Pflegegrad 2, das Geld geht an die Eltern. Entscheidend ist, wie viel mehr Hilfe das Kind braucht als gesunde Kinder im gleichen Alter.