Pflegekurs für Angehörige: Was du lernst und wer ihn bezahlt
Die Pflegekassen bieten Pflegekurse für Angehörige und Ehrenamtliche kostenlos an, in der Gruppe, online oder als Schulung bei euch zu Hause. Für den Kurs selbst braucht niemand einen Pflegegrad. Du lernst dort, wie du hebst, wäschst und umlagerst, ohne dir selbst zu schaden.

Was im Kurs dran kommt
Die Inhalte richten sich nach dem, was Angehörige im Alltag brauchen:
- Heben und Umsetzen, zum Beispiel vom Bett in den Rollstuhl, ohne den eigenen Rücken zu überlasten.
- Lagern im Bett, damit keine wunden Stellen entstehen.
- Körperpflege im Bett und im Bad, An- und Auskleiden.
- Umgang mit Inkontinenz und Hilfsmitteln.
- Essen und Trinken, wenn Schlucken schwerfällt.
- Stürze vermeiden und die Wohnung sicherer machen.
- Umgang mit Menschen mit Demenz.
- Welche Leistungen es gibt und wie man sie beantragt.
- Wie du selbst gesund bleibst und Hilfe annimmst.
Viele Kurse bestehen aus mehreren Terminen, oft abends oder am Wochenende. Manche Kassen bieten eigene Kurse zu Demenz an. Was bei Demenz im Alltag zählt, steht auch beim Pflegegrad bei Demenz.
Drei Formen: Gruppe, zu Hause, online
- Gruppenkurs: Mehrere Angehörige lernen gemeinsam, meist in Räumen eines Pflegedienstes, eines Wohlfahrtsverbands oder einer Bildungsstätte. Der Austausch mit anderen in derselben Lage hilft vielen genauso wie die Handgriffe.
- Schulung zu Hause: Eine Pflegefachkraft kommt zu euch und zeigt die Handgriffe am eigenen Bett, im eigenen Bad, mit den eigenen Hilfsmitteln. Das passt besonders nach einer Entlassung aus dem Krankenhaus oder wenn ein Pflegebett neu ins Haus kommt.
- Online: Viele Kassen bieten Kurse im Internet an, mit Videos und oft mit festen Terminen für Fragen. Gut für alle, die weit weg wohnen oder abends keine Zeit für einen Kurs vor Ort haben.
Manche Krankenhäuser bieten vor der Entlassung ein Pflegetraining für Angehörige an. Frag beim Sozialdienst der Klinik danach.
So findest du einen Kurs
Der einfachste Weg führt über die Pflegekasse der gepflegten Person. Sie nennt Termine in der Nähe, Online-Angebote oder vermittelt eine Schulung zu Hause. Auch die Pflegeberatung hilft, einen passenden Kurs zu finden, ebenso Pflegestützpunkte, ambulante Pflegedienste und Wohlfahrtsverbände.
Die Kosten übernimmt die Pflegekasse, für dich ist der Kurs kostenlos. Das gilt auch für Menschen, die sich ehrenamtlich um Nachbarn oder Bekannte kümmern wollen.
Wann sich ein Kurs besonders lohnt
- Kurz vor oder nach einer Entlassung aus dem Krankenhaus, wenn zu Hause plötzlich mehr Hilfe nötig ist.
- Wenn dir beim Pflegen der Rücken weh tut. Wer falsch hebt, riskiert, selbst auszufallen.
- Wenn eine Demenz beginnt und Gespräche, Abläufe und Nächte schwieriger werden.
- Wenn neue Hilfsmittel kommen, etwa ein Lifter, ein Rollstuhl oder ein Toilettenstuhl.
Wer sich bei der Pflege verletzt, ist unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich versichert. Was dabei gilt, steht bei der Unfallversicherung für Angehörige. Besser ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.
Mehr als Handgriffe: Entlastung und Austausch
Im Kurs geht es auch darum, wie du Hilfe annimmst. Viele Angehörige nutzen Leistungen nicht, die ihnen zustehen:
- Den Entlastungsbetrag von 131 € im Monat, ab Pflegegrad 1, für Betreuung oder Hilfe im Haushalt.
- Den Jahresbetrag von 3.539 € für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, ab Pflegegrad 2.
- Pflegehilfsmittel wie Handschuhe und Desinfektion für 42 € im Monat.
Nach dem Kurs bleiben manche Gruppen als Gesprächskreis zusammen. Auch Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige gibt es in vielen Orten.
Häufige Fragen
Was kostet ein Pflegekurs für Angehörige?
Nichts. Die Pflegekassen müssen die Kurse kostenlos anbieten, auch die Schulung bei euch zu Hause.
Brauche ich einen Pflegegrad für den Pflegekurs?
Für den Gruppenkurs nicht, er steht Angehörigen und Ehrenamtlichen offen. Für eine Schulung zu Hause sprichst du am besten mit der Pflegekasse der gepflegten Person.
Gibt es Pflegekurse online?
Ja, viele Kassen haben Kurse im Internet, mit Videos und oft mit Terminen für Fragen. Frag bei der Pflegekasse, welche Angebote es gibt.
Kommt jemand zur Schulung nach Hause?
Ja, eine Pflegefachkraft kann zu euch kommen und die Handgriffe an eurem Bett und in eurem Bad zeigen. Das vermittelt die Pflegekasse.
Ist der Pflegekurs Pflicht?
Nein, der Kurs ist freiwillig. Pflicht ist nur der Beratungsbesuch alle sechs Monate, wenn ausschließlich Pflegegeld bezogen wird.
Gibt es Kurse speziell für Demenz?
Viele Kassen und Verbände bieten eigene Kurse zu Demenz an. Dort geht es um Gespräche, Unruhe, Abwehr bei der Pflege und darum, wie Angehörige selbst durchhalten.