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PflegeanteilZuschuss-Check

Pflegegrad bei Krebs: Was während der Therapie und im fortgeschrittenen Stadium zählt

Eine Krebsdiagnose allein bringt keinen Pflegegrad, auch nicht Stadium 4 oder Metastasen. Es zählt, wie viel Hilfe jemand im Alltag braucht und ob das voraussichtlich mindestens sechs Monate so bleibt. Ab Pflegegrad 2 zahlt die Kasse 347 € Pflegegeld im Monat, bei Pflegegrad 3 599 €.

Tochter im Gespräch mit ihrer Mutter

Die sechs Monate und was sie bedeuten

Ein Pflegegrad setzt voraus, dass die Einschränkungen voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen. Nach einer Operation oder während einer Chemotherapie ist das nicht immer klar. Erholt sich jemand absehbar in wenigen Wochen, gibt es meist keinen Pflegegrad, sondern Hilfe von der Krankenkasse: häusliche Krankenpflege, eine Haushaltshilfe oder eine Kurzzeitpflege nach dem Krankenhaus, jeweils mit ärztlicher Verordnung.

Bei einer fortgeschrittenen Krankheit gilt etwas anderes. Die sechs Monate beziehen sich auf den Hilfebedarf, nicht auf die verbleibende Lebenszeit. Wer schwer krank ist und voraussichtlich nicht mehr lange lebt, kann trotzdem einen Pflegegrad bekommen.

Wo Krebs und Therapie Punkte bringen

Welche Module betroffen sind, hängt weniger von der Krebsart ab als von den Folgen:

  • Selbstversorgung: Große Erschöpfung macht Duschen, Anziehen oder Essen ohne Hilfe unmöglich. Übelkeit, Schluckprobleme oder Entzündungen im Mund erschweren Essen und Trinken, etwa bei Krebs im Mund, Hals oder Magen. Ernährung über eine Sonde zählt eigens.
  • Umgang mit Krankheit und Therapie: Versorgung eines Ports, Spritzen gegen Thrombose, Schmerzpflaster oder Schmerzpumpe, Wundversorgung, ein Stoma nach Darm- oder Blasenkrebs. Dazu Termine in Klinik und Praxis mit Begleitung. Termine, die länger als drei Stunden dauern, wie manche Chemotherapien, zählen stärker.
  • Mobilität: Schwäche, Stürze oder Metastasen in den Knochen machen Aufstehen, Gehen und Treppen schwer.
  • Verhalten und Psyche: Ängste und Antriebslosigkeit, wenn Angehörige deshalb regelmäßig beruhigen oder auffordern müssen.
  • Geistige Fähigkeiten: bei Metastasen im Gehirn oder starker Verwirrtheit.

Wie immer gilt: Punkte gibt es nur, wenn ein anderer Mensch helfen muss.

Wenn es schnell gehen muss

Liegt jemand im Krankenhaus, in der Reha oder im Hospiz, oder wird er zu Hause palliativ versorgt, muss die Begutachtung schnell erfolgen: innerhalb einer Woche nach dem Antrag, wenn die weitere Versorgung sonst nicht gesichert ist. Den Antrag stellt ihr mit einem Anruf bei der Pflegekasse, der Sozialdienst im Krankenhaus hilft dabei. Leistungen gibt es ab dem Monat des Antrags. Wie der Antrag abläuft, steht unter Pflegegrad beantragen.

Wird eine Angehörige gebraucht, kann sie bis zu 10 Arbeitstage der Arbeit fernbleiben und bekommt dafür Pflegeunterstützungsgeld. Für die Begleitung in der letzten Lebensphase gibt es eine Freistellung von bis zu 3 Monaten, mehr dazu bei der Pflegezeit.

Vorbereitung: gute und schlechte Wochen

Eine Chemotherapie verläuft oft in Zyklen: Nach der Behandlung kommen Tage, an denen fast nichts geht, danach wird es besser. Die Gutachterin sieht nur einen Tag. Deshalb:

  • Führt ein Pflegetagebuch über einen ganzen Behandlungszyklus, mindestens zwei Wochen. Notiert, wobei jemand helfen musste, auch nachts.
  • Beschreibt die schlechten Tage genau: Wie viele sind es im Monat, und was geht dann nicht mehr allein?
  • Legt Arztbriefe, den Therapieplan, den Medikamentenplan und Unterlagen zu Port, Stoma oder Wunden bereit.

Verschlechtert sich der Zustand, muss niemand auf die nächste Begutachtung warten. Ein Antrag auf Höherstufung ist jederzeit möglich.

Welche Leistungen jetzt wichtig sind

  • Pflegegeld, wenn die Familie pflegt, oder ein Pflegedienst über die Sachleistung, bei Pflegegrad 3 bis zu 1.497 € im Monat. Beides lässt sich kombinieren.
  • Ein Pflegebett als Hilfsmittel, meist leihweise, und Pflegehilfsmittel zum Verbrauch für 42 € im Monat.
  • Kurzzeitpflege als Übergang nach dem Krankenhaus, aus dem Jahresbetrag von 3.539 € zusammen mit der Verhinderungspflege.
  • Der Entlastungsbetrag von 131 € im Monat für Hilfe im Haushalt.

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung zahlt die Krankenkasse, nicht die Pflegekasse. Sie wird ärztlich verordnet und kommt zusätzlich zu den Leistungen des Pflegegrads.

Häufige Fragen

Welchen Pflegegrad bekommt man bei Krebs im Endstadium?

Das hängt davon ab, wie viel Hilfe im Alltag nötig ist, nicht vom Stadium. Wer im Bett liegt und bei fast allem Unterstützung braucht, sammelt viele Punkte. Bei Palliativversorgung muss die Begutachtung innerhalb einer Woche stattfinden.

Bekommt man während der Chemotherapie einen Pflegegrad?

Wenn die Einschränkungen voraussichtlich mindestens sechs Monate dauern und im Alltag regelmäßig Hilfe nötig ist, ja. Dauert die schwere Phase absehbar nur einige Wochen, helfen eher Leistungen der Krankenkasse wie häusliche Krankenpflege oder eine Haushaltshilfe.

Macht die Krebsart einen Unterschied, etwa Brustkrebs oder Lungenkrebs?

Nicht direkt. Die Krebsart bestimmt aber, welche Probleme im Alltag auftreten: Luftnot bei Lungenkrebs, ein Stoma bei Darmkrebs, Probleme beim Essen bei Krebs im Mund oder Magen. Genau diese Folgen zählen bei der Begutachtung.

Kann ein Pflegegrad nach der Krebserkrankung wieder wegfallen?

Ja. Geht es nach der Therapie besser, kann die Pflegekasse neu begutachten lassen und den Grad senken oder aufheben. Wird später wieder Hilfe nötig, stellst du einen neuen Antrag.

Was hilft sofort nach der Entlassung aus dem Krankenhaus?

Solange noch kein Pflegegrad feststeht, zahlt die Krankenkasse mit ärztlicher Verordnung häusliche Krankenpflege, eine Haushaltshilfe oder eine Kurzzeitpflege. Der Sozialdienst der Klinik organisiert das oft schon vor der Entlassung.

Bekommt ein Kind mit Krebs einen Pflegegrad?

Ja, nach denselben Regeln, verglichen mit einem gesunden Kind gleichen Alters. Medikamente, Port und viele Klinikbesuche zählen dabei mit. Mehr dazu beim Pflegegrad beim Kind.